ERGONOMIE - oder wie man verhindert, ein Cyborg zu werden.

Alle, die an einem computergestützten Arbeitsplatz arbeiten, haben ein gemeinsames Problem, welches quer durch alle Lager geht und nicht unbedingt mit der Wahl des Betriebssystems zusammenhängt.

Ergonomie und Vermeidung von geistigen oder körperlichen Schäden durch Computerarbeit!

Ich unterteile hier in die Bereiche Software, Hardware, Einrichtung und Verhalten. Und im Linkbereich gibt es auch ein paar Verweise zum Thema.

 

SOFTWARE

Hier geht es um das Design einer Anwendung oder eben auch eines Betriebssystems, wobei hier kein Glaubenskrieg geführt werden soll, der schon an diversen anderen Stellen geführt wird. Als Anwender hat man hier so gut wie keinen Einfluss, man kann evtl. entscheiden, ob diese Anwendung gekauft und installiert wird oder eben nicht. Verantwortlich sind hier die Programmierer bzw. Softwaredesigner und indirekt die Kaufentscheider. Softwaredesigner und Kaufentscheider müssen sich folgende Fragen stellen:
  1. Welche Farben und Auflösungen sollen verwendet werden?
  2. Wieviele Klicks und Tastenanschläge sind notwendig, um eine Aufgabe zu erledigen?
  3. Wie einfach erlernt ein Anwender die Funktionen des Programms?
  4. Lässt sich die Anwendung individuell an die Bedürfnisse des Nutzers anpassen?
  5. Wie stabil und schnell läuft die Anwendung?
  6. Welches Ergebnis bringt der Einsatz dieser Software?
  7. Welche Schnittstellen sind notwendig?
  8. Wie lässt sich die Anwendung in die bestehende Infrastruktur einbinden?
  9. Was sagt der Admin zur Software?
Beim Kauf eines Programms sollte man also nicht ausschließlich darauf achten, ob die Software die eigentliche Aufgabe erfüllt. Vielmehr muss hier auch auf die Art und Weise geachtet werden, wie man mit dieser Software arbeiten kann oder muss.

 

HARDWARE

Monitor Monitore sollten eine Bildfläche mit mindestens 17" (2,54 cm * 17) in der Diagonale haben, dabei 1024 x 768 Bildpunkte mit mehr als 256 Farben darstellen können und mindestens 75 Hz Bildwiederholfrequenz haben. Es geht hier darum, dass ein scharfes und flimmerfreies Bild dargestellt wird. Neuere Untersuchungen zeigen sogar, dass der Mensch unterbewusst auch 75 Bildwiederholungen pro Sekunde als Stressfaktor empfindet. Und was man nicht vergessen darf, ein CRT-Monitor strahlt, heute zwar weniger als noch vor Jahren, aber er strahlt ...

Monitor Bei LCD-Displays sieht es etwas anders aus. Auch hier gelten die Anforderungen an Größe und Auflösung, die Bildwiederholfrequenz hat hier aber ein anderes Gewicht, da LCDs von sich aus schon bei 60 Hz ein subjektiv flimmerfreies Bild darstellen. Bei diesen Display gilt es, auf die Darstellung aus einem indirekten Blickwinkel zu achten, die Helligkeit bzw. Leuchtkraft ist hier wichtig und defekte Bildpunkte können auch ziemlich nerven. Ein Nachteil bei den Displays ist, dass sie eine optimale Einstellung der Auflösung haben. Das heisst, bei einer Bilddiagonale von 15" wird meist eine Auflösung von 1024 x 786 Bildpunkten benötigt. Wem hier die Darstellung zu klein erscheint, der kann natürlich auf 800 x 600 Bildpunkte herunterschalten, nur werden Bildschirmschriften dann oft verschwommen dargestellt, was sich aber durch die Anpassung der Bildschirmfonts ausgleichen lässt.
Tastatur Die Tastatur erfährt die größte Beanspruchung, wird beim PC-Kauf aber fast nicht beachtet. Wichtig ist hier der Tastenanschlag, wie leicht oder schwer lassen sich Zeichen eingeben, haken irgendwelche Tasten? Die Wahl der Tastatur hängt stark von der Arbeitsweise des Benutzers ab. So können einige z. B. nicht mit einer in der Mitte abgewinkelten Tastatur arbeiten, andere empfinden das aber als absolut angenehm.

Maus Die Maus ist durch die grafische Oberfläche der Software ein unbedingt notwendiges Eingabegerät geworden. Für mein Empfinden ist es aber das Gerät, dass die geringste Ergonomie versprüht. Bei der Nutzung der Maus verkrampft man leicht und bekommt schnell den MacMausArm. Auch hier kommt es wieder auf die Softwareergonomie an, denn ein System unter Windows® lässt sich auch ohne Maus bedienen, was z. B. bei einem Macintosh® nicht möglich ist. Bei der Auswahl der Maus sehe ich als wichtig an, dass diese möglichst kabellos ist, ein Scrollrad hat und der Tastendruck eben meinen Anforderungen entspricht.

Abakus Der PC selbst muss die von mir verwendete Software in angemessener Geschwindigkeit verarbeiten, muss eine für die Bildausgabe (siehe Monitor) ausreichende Grafikkarte haben und sollte leise und störungsfrei sein Werk verrichten. So simpel!? Geschwindigkeit und Grafik sind heute kein Problem mehr. Was die Lautstärke eines PCs angeht, da sind wir leider noch nicht einmal so weit, dass die Hersteller einen Wert angeben, der einen Vergleich zulässt. Die Lüftertriebwerke, die einen heute teilweise durch den Tag begleiten, können schon gehörig an den Nerven zehren.

 

EINRICHTUNG

In herstellenden Betrieben wird schon seit Jahren auf Arbeitsschutz geachtet, d. h. es werden Produktionsprozesse und Maschinen so angepasst, dass gesundheitliche Schäden vermeidbar sind. In der Büroumgebung setzt sich dieses Denken nur langsam durch. Das liegt wohl daran, dass die negativen Folgen nicht so offensichtlich sind - man verliert nicht gleich eine Hand, wenn mal eine Taste klemmt.

Als wesentlich sehe ich hier die Beleuchtung, den Schreibtisch, Stuhl und die Anordnung der Einrichtung. Man könnte hier noch vieles mehr, wie z. B. das Telefon, die Raumgrösse u. ä. anführen, ich will mich hier aber auf diese Punkte beschränken.
  1. Die Beleuchtung eines PC-Arbeitsplatzes muss grundsätzlich so beschaffen sein, dass der Raum hell ist, jedoch auf dem Bildschirm keine Reflektionen entstehen und man selbst beim Blick auf den Monitor auch nicht durch dahinter liegende Lichtquellen geblendet wird. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Fenster und Beleuchtung müssen hier beachtet werden, wo es schon schwierig wird. Reflektionen können direkt z. B. durch die einstrahlende Sonne oder eine Lampe entstehen, die sich auf dem Monitor spiegeln. Das lässt sich relativ einfach verhindern, indem man Jalousien am Fenster anbringt bzw. die Lampe anders ausrichtet oder auswechselt. Schwieriger sind da schon die sogenannten Reflexblendungen. Diese entstehen durch eine hohe Raumhelligkeit, die durch die Wände, die in diesem Fall mal in Hochglanz weiß gestrichen wurden, reflektiert werden und im ungünstigen Fall eine ähnliche Erscheinung auf dem Bildschirm zeigen wie bei einer direkt strahlenden Lampe. Hier muss man sich schon ausreichend Gedanken machen, evtl. Tests durchführen oder Fachleute beauftragen.
  2. Der Schreibtisch sollte die Mindestmaße 72 x 160 x 80 cm (Höhe x Breite x Tiefe) nicht unterschreiten. Besser wäre natürlich, gerade für diejenigen, die viel Papier bewegen müssen, eine Arbeitsfläche von 100 x 200 cm. Und um dann noch variabel zu sein, was der Ergonomie nur gut tut, sollte ein Schreibtisch höhenverstellbar sein. Die Höhenverstellbarkeit sollte einfach zu handhaben sein. Es gibt hier Möglichkeiten, die soweit gehen, dass Sie einen Steharbeitsplatz haben. Die grundsätzliche Anschaffung eines Stehpultes statt des normalen Schreibtisches oder zusätzlich ist zu überlegen, denn das Arbeiten im Stehen ist für die Körperhaltung besser.
  3. Der Bürostuhl muss natürlich höhenverstellbar sein, die Rückenlehne sollte variabel einstellbar sein. Das der Stuhl auf fünf Rollen drehbar steht, muss ich hier wohl nicht sagen. Die Anschaffung eines Sitzballs ist nicht nur im Krankheitsfall zu überlegen, denn dieser fördert eine aktive Körperhaltung (sonst würde man runterfallen). Diese Sitzbälle bekommt man nicht überall und das ist gut so, denn auch hier gibt es unterschiedliche Größen und die Größe muss zum Benutzer passen.
Die Anordnung des Mobiliars ist ein sehr wichtiger Punkt. Hier müssen alle gewonnen Erkenntnisse zusammenkommen.

Als Beispiel: Ich stelle meinen Schreibtisch hin (seitlich zum Fenster, da ich Jalousien habe, davor eine Wand mit einem Bild), Monitor so darauf, dass ich zwischen 50 und 70 cm Abstand zum Gesicht habe und dass meine Augen in der Höhe mit der sichtbaren Oberkante der Bildfläche des Monitors übereinstimmen. Den PC stelle ich daneben, sollte das nicht möglich sein, stelle ich ihn unter den Monitor. Nun stelle ich den Stuhl davor, setze mich hin und justiere die Höhe von Stuhl und Schreibtisch (siehe Verhalten 90°). Nun schalte ich meine Stehlampe ein. Aha, ich sehe die Lampe im ausgeschalteten Monitor! Ich muss also die Lampe an einen anderen Platz stellen. Dies ist natürlich ein simples Beispiel und nicht für den Bürobetrieb tauglich.

Der Schreibtisch muss grundsäzlich so ausgerichtet sein, dass keine direkte Lichteinstrahlung auf den Monitor kommt, dass zwischen dem Schreibtisch und der Seite, an der ich sitze, mindestens ein Meter Platz zum Zurückrollen vorhanden ist.

Der Abstand Gesicht - Monitor muss zwischen 50 und 70 cm liegen. Zwischen Unterschenkel und Oberschenkel, zwischen Oberkörper und Unterschenkel und zwischen Oberarm und Unterarm sollte ein Winkel von ca. 90° bestehen. Die Bildfläche des Monitors (als der eigentliche Bildschirm) sollte mit den Augen ungefähr auf gleicher Höhe sein.

 

VERHALTEN

Bewegung Grundsätzlich muss bei Bildschirmarbeit darauf geachtet werden, dass zwischendurch immer wieder etwas anderes gemacht wird. Das heißt, sollten Sie durch Ihre Tätigkeit ständig am PC arbeiten, so müssen Sie mindestens alle 60 - 120 Minuten kurze Übungen durchführen, die Ihrem Körper klarmachen, dass er nicht nur diese Muskeln benötigt (einfache Lockerungsübungen sind völlig ausreichend). Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, gerade für diejenigen, die kein ZEHN-FINGER-SYSTEM beherrschen oder viel mit der Maus arbeiten. Eine aufrechte aber nicht gespannte Körperhaltung ist wichtig.
Überprüfen Sie Ihre Körperhaltung vor dem PC ständig.

Bewegung Bewegung ist wichtig. Erlauben Sie Ihrem Körper nicht, zu glauben, er könne seine Aufgaben mit den Partien erledigen, die er 8 Stunden am Tag 5 mal die Woche benutzt, nur weil dies die am häufigsten benutzten Partien sind. Im Idealfall nutzen Sie verschiedene Sitzgelegenheiten wie Bürostuhl und Sitzball und arbeiten häufig auch am vielleicht vorhandenen Stehpult. Und zwischendurch machen Sie kurze Lockerungübungen. Der Arbeitsplatz muss auch nicht immer so bleiben, wie er einmal aufgebaut wurde, das Umstellen des Schreibtisches gibt manchmal ein völlig neues Lebensgefühl.

Veränderung und Abwechslung sind wichtig, um sich selbst gesund zu erhalten!

Sollten Sie bereits Probleme haben, bleibt nur der Gang zum Arzt.

 

Verweise

Im Linkbereich gibt es einen Abschnitt zur Ergonomie, über den Sie weitere hilfreiche und interessante Informationen finden können.
Logos, Firmen- und Markennamen, die auf diesen Seiten verwendet werden, gehören den jeweiligen Eigentümern und sind rechtlich geschützt.